In der Stille der Basilika vertieft

Ort: Mariazell
Wann: 17. Dezember 2022
Reise: Wien Hbf - St.Pölten - Mariazell
Thema Reise: An meinem Buch weiter schreiben
Thema Ort: Adventmarkt Mariazell

Nach Mariazell komme ich immer wieder gerne!

Nach all den Jahren verbindet mich so viel mit dem Ort, der Basilika, mit den Menschen und der Umgebung. 2012 war ich mit meinem Vater von Wien nach Mariazell gewandert. Diese Tour hat mich zu einem besseren Menschen werden lassen. Wir haben sechs von sieben Weitwanderwegen nach Mariazell gemeinsam bewältigt. Ich hatte bereits im Jahr 2015 Gelegenheit, den berühmten Adventmarkt in diesem wunderschönen Wallfahrtsort zu besuchen.

Zuletzt erwanderte ich 2022 mit zwei lieben Freunden aus dem Saarland aus Wien bis vor das Tor der Basilika. Dieser Ort ist für mich von unschätzbarem Wert, und ich hoffe, dass ich ihn auch in Zukunft nicht missen möchte.   

Zugfahrt und Schreiben an Board der Himmelstreppe!

Es gibt zwei Gründe, die mich dazu bewogen haben, meine kreativen Reisen genau jetzt nach Mariazell zu verlegen. Zum einen ist es das letzte Adventwochenende vor Weihnachten und zum anderen erfordert die Fahrt von St. Pölten nach Mariazell gut zwei Stunden. Die Fahrt selbst erlebt man mit der Mariazellerbahn, genannt auch Himmelstreppe. Die Zeit ist günstig, um an meinem Werk zu arbeiten. 

Die spannende Frage lautete daher nur, wie komfortabel ist es wirklich, in der Mariazellerbahn das Tablet aufzuklappen und gemütlich darauf zu tippen? Der Zug, er besteht aus drei Waggons, bietet 84 Sitzplätze. Doch nur ganze vier Stück davon sind Einzelplätze. Alle anderen Sitze stehen in Zweierreihen und sind einander zugeneigt. Seitlich am Fenster, oberhalb vom Müllbehälter, befindet sich eine kleine Ablage. Das ist die einzige Möglichkeit, wo ich das Tablet abstellen kann. Die Einzelplätze haben vor sich leider keine Klappe, wo man etwas abstellen könnte. 

Ich stehe schon um 4:30 morgens auf. Begebe mich zum Wiener Hauptbahnhof und steige dort in den Railjet, welcher um 5:55 losfährt. Nur eine gute halbe Stunde später erreiche ich St. Pölten und kann dort bequem in die Mariazellerbahn umsteigen. Obwohl bei der Abfahrt um 6:35 Uhr fast kein Mensch auf die Idee kommt, nach Mariazell zu fahren, habe ich einen Sitzplatz reserviert. Seit diesem Sommer und Herbst riskiere ich nichts mehr.

Ich setze mich, mache es mir gemütlich, schalte das Tablet ein und stelle es auf die kleine Ablage neben dem Fenster. Ich ziehe meine Winterstiefel aus, lege meine Reisetasche auf den Sitzplatz gegenüber und lege meine Füße auf den Sitz. Es ist herrlich!
Auch das verliebte Pärchen, welches auf den Plätzen gegenüber meinem innig zu Werke geht, stört mich nicht. Ich versinke wieder in die Welt meines Buches »Sophie lernt zu leben« 
Allmählich wird es heller draußen und mir offenbart sich eine traumhafte Winterlandschaft. Oh, das wird ein toller Tag in Mariazell.

Ein seelenruhiger Morgen

Die Zeit vergeht wieder einmal mega schnell. Ich war schon öfter mit der Mariazellerbahn gefahren, aber durch das Schreiben im Zug, fliegt die Zeit nur so an mir vorbei. 
Ich habe wieder ein ganzes Stück weitergebracht.
Doch nun komme ich endlich in Mariazell an. Ein schönes Winterwunderland erwartet mich dort. Schnee, Eis und Kälte sowie graue dicke Wolken begleiten mich fortan. Der Bahnhof von Mariazell liegt etwas außerhalb vom Zentrum im Ort St. Sebastian. Der Fußweg bis zur Basilika nimmt etwa 15 bis 20 Minuten ein. Als ich am Hauptplatz ankomme, scheint der Ort noch zu schlafen. Der Adventmarkt und die anderen Geschäfte öffnen erst um 10 Uhr. Ich habe also noch fast eine Stunde Zeit und spaziere durch den Ort.

Der erste Weg fühlt mich natürlich zur Basilika und schließlich auch hinein. Und dann passiert mir etwas, das ich in dieser Form hier noch nie erlebt habe. Die gesamte Basilika gehört mir allein. Ich bin der einzige Mensch in dieser großen Wallfahrtskirche. 

Normalerweise stehen die Touristen hier Schlange, versinkt der Ort im Trubel der Menschen und es wird deutlich, dass es sich um einen bekannten Wallfahrtsort handelt. Es ist ungewohnt. Ich nutze den Moment, marschiere bis zum Altar und setze mich in die erste Reihe. Hier genieße ich diese herrliche Stille und gönne mir 10 Minuten voller tiefsinniger Gedanken, Reflexionen und vor allem Stille. 
Anschließend zünde ich in der Kerzenhalle hinter der Basilika fünf Kerzen an. Sie alle haben eine Bedeutung für mich.

Nun ist es 10 Uhr und der Ort erwacht. Die Geschäfte öffnen und auch der Adventmarkt startet in einen weiteren stimmungsvollen Adventtag. 

Ich spaziere durch die Straßen und sehe mich ein wenig um. Natürlich darf ein Besuch bei der Apotheke zur Gnadenmutter nicht fehlen. Das hat einfach schon Tradition. Dort verkoste ich immer wieder gerne Liköre und kaufe mir auch stets ein Fläschchen mit süßen Pfefferminz.

Danach suche ich die bekannte Lebzelterei Pirker auf. Die Lebkuchen aus diesem edlen Haus sind im ganzen Land bekannt und schmecken einfach unglaublich lecker. Auch hier ist klar, dass ich mir einen kleinen Vorrat anschaffen muss. 

Und schon muss ich mich leider wieder aus Mariazell verabschieden. Mein Aufenthalt war auf lediglich zwei Stunden limitiert. Da ich am Nachmittag noch meine Eltern im Weinviertel besuche, reise ich bereits um 11:05 Uhr wieder ab.

Das ist aber nicht weiter tragisch und sogar sehr angenehm, denn während sich die Advent-Touristen bzw. die Menschenmassen jetzt in den Ort aufmachen, begebe ich mich entspannt zum Bahnhof und steige wiederum in eine fast leere Himmelstreppe. Und ihr wisst ja inzwischen, was dann folgt. Tablet raus und weiter gehts mit meinem Buch. 

Ein spontaner kleiner Test

Wieder genieße ich die längere Fahrt zurück nach St. Pölten und überlege dabei schon, wie ich am schnellsten ins Weinviertel gelange. Dabei ergibt es sich tatsächlich, dass ich nicht zurück nach Wien fahren muss. Ich kann tatsächlich einen großen Teil der Strecke mit einer abenteuerlichen Busfahrt überbrücken. 

Einfach ideal, um auch einmal zu erleben, wie komfortabel Schreiben im Bus ist. Und es war tatsächlich angenehmer, als ich vorher gedacht hatte. Somit kann ich künftig auch einmal Busreisen für meine kreativen Reisen einplanen. Fernbusse haben dann sicherlich auch Klappen oder Ablagen. Es würde aber auch ohne gehen, indem ich das Tablet einfach auf meinen Schoß lege. 

So komme ich vergnügt bei meinen Eltern im Weinviertel an und verbringe noch einen schönen Abend, bei einem weiteren Adventmarkt. Mittlerweile fasst mein Buch knapp 70 Seiten. Es geht voran. Ein super schöner und produktiver Tag klingt aus. 

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